Hamlet

Tragödie von William Shakespeare

Übersetzung von Marius von Mayenburg

»Etwas ist faul im Staate Dänemark!« Seit Claudius den Thron bestieg, regiert die Heuchelei. Noch übt sich Hamlet in Diplomatie, doch der Geist seines Vaters, des alten Königs, bestätigt ihm, was er schon ahnt: Sein Onkel Claudius errang die Macht durch feigen Brudermord, und Hamlets Mutter Gertrud ist in die Tat verwickelt. Hamlet schwört Rache; ein Anschlag muss her, eine Tat, die das ganze verlogene Regime stürzt. Mit entlarvenden Anspielungen, gehüllt in den Anschein des Wahnsinns, klagt Hamlet die Schuldigen öffentlich an. Doch als die Gelegenheit zum Mord da ist, lässt er sie verstreichen und tötet den Falschen. Hat der junge Mann die Kraft, um die historische Aufgabe zu schultern? Hat es Sinn, sich aufzulehnen, an bessere Verhältnisse nach einem Umsturz zu glauben? Oder bleibt ihm allein, diese aus den Fugen geratene Welt stoisch zu ertragen? Claudius führt den Gegenschlag. Seine Intrige jedoch trifft nicht bloß Hamlet, sondern löscht das gesamte Königsgeschlecht aus. Durch den inneren Showdown geschwächt, fällt Dänemark an eine fremde Macht.

Das wohl berühmteste Theaterstück der Welt ist Politthriller, Psychodrama und Familientragödie. Schon der Shakespeare-Forscher Jan Kott wusste: »Hamlet kann man nicht im Ganzen spielen.« Jede Epoche greift bestimmte Aspekte heraus. Heute stellen innere Spaltung und äußere Konflikte die »westlichen« Gesellschaften vor die Zerreißprobe. Einst gefestigte Werteorientierungen implodieren, vermeintlich stabile gesellschaftliche Strukturen geraten ins Wanken. Shakespeares Meisterwerk erweist vor diesem Hintergrund ein weiteres Mal seine verblüffende Modernität.

Wir danken der architektengruppe a+m  für ihre Unterstützung im Rahmen der Stückpatenschaft.


Trailer



Pressestimmen


Kritik in der Ostthüringer Zeitung
27.01.2020, von Ulrike Kern

Die von Shakespeare erschaffene Welt ähnele in der Rudolstädter Fassung »verblüffend unserer heutigen«, so Ulrike Kern. Die Kritikerin erlebte eine »wunderbar moderne Inszenierung, (…) die aufrüttelt, die Fragen nach Wissen, Gewissen und Handeln stellt, die nachwirkt und beeindruckt«. Besonders glänze Hauptdarsteller Phillip Haase »zwischen innerer Spaltung und äußerer Konflikte, hinter der Maske des Wahnsinns und mit der tiefen Trauer im Herzen«. An seiner Seite: Anne Kies als eine »ebenso bemerkenswerte Ophelia«. Das »elfköpfige, spielfreudige Ensemble« lote »die ganze emotionale Tiefe dieses Politthrillers aus«. Ausstatterin Andrea Eisensee schuf eine »zeitlose, klar strukturierte Bühne« und hat auch mit den vielseitigen Kostümen »eine Brücke zwischen den Zeiten« geschlagen.


Aus dem Tagebuch
26.01.2020, von Matthias Biskupek

Nein, so richtig habe ich dieses Stück Weltdramatik nie verstanden, selbst beim Lesen in Theaternachschlagewerken. Der Intrigenmischmasch, das wechselseitige Irresein war immer noch einen Zacken schärfer, als in anderen Shakespeare-Stücken. Das Theater Rudolstadt hat es in seiner Inszenierung – Premiere gestern – geschafft, dass ich diesmal durchsah – und mich trotz dreier Stunden nicht zu langweilen begann.

All die berühmten, oft abgenuddelten Zitate, von »Sein oder Nichtsein« bis zu »etwas faul im Staate Dänemark«, nahm ich, zum Teil mehrfach, hin und freute mich am Wiederauftauchen in der Menge. In einem Baugestänge, einer Kastenarchitektur, im Gefängnis Dänemark, turnen, rennen, lümmeln und spreizen sich die Akteure in edlen Anzügen oder Militärornat, in Mänteln oder mit nackten Oberkörpern, dass die Sinnlichkeit von Theater aus den Bühnenbrettern dampft. Gewiss, Dampf wird reichlich eingesetzt.

Die Fassung von Übersetzer Marius von Mayenburg, den Dramaturgen Michael Kliefert und Judith Zieprig und natürlich dem Regisseur Alejandro Quintana ist klar, voller wundersamer Widersprüche und doch immer erkennbar: Die Welt ist aus den Fugen. Wir sind die Intriganten. Das Militär marschiert, trampelt nieder; die Fake News werden allüberall geglaubt, der Irre ist nicht irre und der kluge Herrscher ist einfach saudumm. Das Theater im Theater – das nutzt er ja immer gerne, der britische Weltgeist – ist ein Mittel, all das zu erkennen. Nur änderbar ist es wohl nicht.

Es waren natürlich die elf Schauspieler des Hauses, die die Zuschaulust anfachten. Man sprach – und brüllte – fast immer deutlich. Philipp Haase (Hamlet) und Johannes Arpe (Claudius), Marcus Ostberg (Horatio) und Johannes Geißer (Laertes) in den großen männlichen Rollen spinnen ihre Fäden, beherrschen Aus- und Zusammenbruch. Anne Kies als Ophelia, der nimmt man das selbstbewusste Weib ab, im weißen Gewande ist sie dann die passende Wasserleiche. Rosenkranz und Güldenstern (Rayk Gaida und Manuela Stüßer) dienern choreografisch exakt als Schleimer vor ihren Herrn. Ute Schmidt, Königin Gertrud, das Mörderliebchen, ist präsenter, als vom Text her zu vermuten. Auch der schwarzhumorige Dialog der Totengräber wird hier zum von Shakespeare geplanten Kabinettstück.

Und das Fechtduell zum Stückschluss, bevor wieder Kriegsheere mit Qualm und martialischer Musik den Bühnenraum überrollen und Dänemark verhackstücken, bietet genau das, was schon Shakespeares Kollegen beherrschten: Akrobatik und Überraschung, Wettkampf und Genuss.
Das Ende ist Gift; das könnte auch das Ende dieser Erde sein.

www.matthias-bikupek.de


Kritik im Freien Wort
30.01.2020, von Peter Lauterbach

»Alejandro Quintana projiziert sie (die Zeit) so präzise auf die Bühne, dass sich Gut und Böse nicht mehr trennen lassen«, schreibt Peter Lauterbach über die Inszenierung. Passend zur Welt, die das Stück darstellen will, sei im Bühnenbild »kein rechter Winkel« auszumachen. Regisseur Alejandro Quintana beschreibt er als »Poet unter den Regisseuren«, da dieser nicht versuche, »die politische Parabel auf die Gegenwart in Gut und Böse aufzulösen«. Bei ihm »schwinden die Gewissheiten, werden Menschen zu wankelmütigen Zeitgenossen«. So versteht es Johannes Arpe als König »wie ein Führer das Volk zu begeistern«, aber ist »doch kein Dämon, selbst wenn er das Böse ausspricht«. Hamlet (Phillip Haase) hätte »vielleicht wirklich das Zeug zum Helden gehabt«, doch »Helden können die Zeit einrenken, dieser Hamlet aber kann das nicht«. Phillip Haase spielt gekonnt »einen Hamlet, der sich im Wahn, den Onkel zu überführen, in den Wahnsinn treibt«. Auch lobt der Rezensent das bewusst ruhig ausklingende Ende des Theaterstückes, denn »darin keimt die Hoffnung, es nicht so weitkommen zu lassen«. »Die Rudolstädter Inszenierung verweigert einen konkreten politischen Kontext. Das macht sie so reizvoll«, meint Peter Lauterbach abschließend. Sie ist »im ersten Teil spannend wie ein Krimi, im zweiten Teil sich etwas verlierend« und eben dadurch »Eine Tragödie voller Poesie«.


Stückinfos

Premiere: 25.01.2020
Spieldauer: 2 h 30 min / eine Pause
Spielort: Rudolstadt, Theater im Stadthaus
Altersempfehlung: ab 15 Jahren


Mitwirkende

Regie: Alejandro Quintana
Bühne und Kostüme: Andrea Eisensee
Choreografische Mitarbeit: Julieta Figueroa
Fechtchoreografien: Jakob Köhn
Dramaturgie: Michael Kliefert, Judith Zieprig
Theaterpädagogik: Friederike Dumke

Hamlet: Philipp Haase
Claudius: Johannes Arpe
Geist / Horatio: Marcus Ostberg
Gertrud: Ute Schmidt
Polonius / Osrik: Jochen Ganser
Fortinbras / Herold: Jakob Köhn
Ophelia: Anne Kies
Güldenstern / Soldat: Manuela Stüßer
Laertes: Johannes Geißer
1. Totengräber: Verena Blankenburg
Rosenkranz / 2. Totengräber / Priester: Rayk Gaida


Termine

Fr, 18.12.2020, 19:30 Uhr
Rudolstadt, Theater im Stadthaus


Fr, 09.04.2021, 19:30 Uhr
Rudolstadt, Theater im Stadthaus


Di, 11.05.2021, 15:00 Uhr
Rudolstadt, Theater im Stadthaus